Der Beherrscher "Sex"
Januar 2008


Alle Tage haben wir mit gewissen Institutionen, aber auch mit den Medien zu tun, welche die Sexualität fast einzig zu einer "Konsumware" gemacht haben. Viele setzen sich darüber hinweg, ohne zu merken, dass diese Handlungsweise - die manche Sexologen und Gynäkologen einzig als "kulturelle Aktivität" betrachten - zu immer schlimmeren Ausschweifungen führt: zu Pornographie, Pädophilie und sexuellen Orgien. Wenn man so weitermacht, wird die Liebe von morgen zwischen Pillen, Ersatzutensilien und antidepressiven Mitteln aller Art vor sich gehen, einzig zur Befriedigung des Triebes und des Egoismus.

Um Bereicherung zu erzeugen soll die Sexualität in der Würde eines jeden und im Dialog gelebt werden, was die Beherrschung der sexuellen Triebe und, wie für alle gute Dinge des Lebens, eine gewisse Masshaltung voraussetzt. Was heute vom Genuss und Herrschaftstrieb - also eigentlich vom Gegenteil der Liebe - bestimmt war, wird wieder Weg zur Gemeinschaft und Begegnung in Leib und Seele bis ans Lebensende. In dieser Sicht ist der Geschlechtsakt in der Ehe der Endpunkt einer Entdeckung und eines Verständnisses des Partners auf allen Ebenen; die berechtigte Lust ist nicht mehr selbstsüchtig, sondern kann Ausdruck davon sein, dass Menschen, die nach dem Bilde Gottes geschaffen sind, in Beglückung miteinander eins werden und zu einer treuen und fruchtbaren Liebe bereit sind.

Wir dürfen nicht mehr alles hinnehmen; wir müssen gegen diese neue sexuelle Perversion reagieren, in der sich besonders die künstliche Empfängnisverhütung und die Abtreibung ausbreiten! Aber wie?

Jeder von uns sollte sich an diesem Kampf beteiligen. Aber wir Christen müssen auf unsere Kirchen hören und sie unterstützen, wenn sie sich für eine lebendige, sinnvollere Sexualität im Dienst des Leibes und des Geistes sowie für den Schutz des Lebens einsetzen, obwohl ihre Sittennormen oft als allzu starr und streng angesehen werden. Vergessen wir nicht, was Jesus anführte, als er auf eine die Scheidung betreffende Frage der Pharisäer antwortete, den Text der Genesis über die Erschaffung des Mannes und der Frau: "Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch..."

Als Eltern wird es uns am Herzen liegen, bei unseren Kindern den Wunsch nach Keuschheit zu wecken im Hinblick auf ein Leben im Dienst der Mitmenschen und damit sie lernen, sich besser zu entfalten und sich zu beherrschen. Somit werden sie gefeit sein gegen die Gefahr einer Liberalisierung der Sexualität, die diese zu einem trügerischen Schein macht und bittere Früchte bringt. Leider wird diese falsche Einstellung zu oft an unseren Schulen gelehrt. Setzen wir auch alle unsere Kräfte und Ideen ein, um unverschämten sexuellen Praktiken entgegenzutreten, mit einem direkten persönlichen Einsatz in Form von Protesten, Artikeln, Leserbriefen, usw.

Das unvollkommene Geschlechtsleben ist eine Realität dieser Welt und erst im Jenseits werden wir die Quelle jeder Liebe entdecken, die totale Gemeinschaft der drei Personen: des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, dessen Sinnbild die Familie bildet mit der Mutter, dem Vater und dem Kind. Wenn wir auf dieser Erde die Gebote Gottes beachten, werden wir von unseren Sünden befreit und Tag für Tag die notwendigen Gnaden erhalten, um unsere eheliche Liebe trotz der gewohnten Schwierigkeiten in Freude zu leben und in Freundschaft, Keuschheit und Nächstenliebe tiefe Beziehungen mit den andern zu pflegen.

Meine Begegnung mit dem Elend
Dezember 2007


Das Elend ist neben Krieg und Terrorismus, vielleicht auch neben den Unglücksfällen auf unseren Strassen, eines der schlimmsten Übel unserer Epoche. Gewiss, es gab es zu allen Zeiten, aber heute kann jeder es sehen, es befühlen, sei er reich oder arm. Man erlebt es sogar "direkt" im Fernsehen. Es gibt keine Entschuldigung mehr, es nicht zu bekämpfen, denn es ist ständig präsent, in all seinen schrecklichen Formen und Aspekten: Hunger, Krankheit, Unterernährung, Zusammengepferchtsein So leiden noch heute in der Welt gegen 800 Millionen Personen an Hunger und falscher Ernährungsweise und 24 000 davon sterben jeden Tag; drei Viertel der Toten sind Kinder unter fünf Jahren.

Doch der ständige Anblick des Elends führt zur Gewöhnung, zur Gewohnheit, und man vergisst nur zu rasch die grässlichen Szenen, die man gesehen oder in der Zeitung gelesen hat.

Ich habe das Elend ganz aus der Nähe gesehen, schon in meiner Jugend mit einem kranken Vater, oftmals ohne Arbeit, dann, noch viel schlimmer, immer wieder im Verlauf meiner Reisen ins Ausland für die Emmaus-Bewegung. Es gab Augenblicke, in denen ich Angst hatte, beispielsweise als ich in jenem Elendsquartier von Kalkutta unter dem Druck der aufgebrachten Menge von einer Hütte, von einer jämmerlichen Behausung zur anderen gehen musste, um die Not in ihrer ganzen schrecklichen Realität zu spüren. Auch in Lima, wo es mich in Aufruhr versetzte und ich den Zorn in mir aufsteigen fühlte, weil die meisten Reichen, die dort mit der Misere in Berührung kommen, nichts tun, um sie einzudämmern. Es besteht eine Mauer (eine wirkliche und eine psychologische) zwischen ihnen und den Besitzlosen, die in nächster Nähe unter menschenunwürdigen Zuständen auf einem Abfallberg sterben. Schliesslich kam es vor, dass ich mich schämte, wie in Madagaskar in dem alten Krankenhaus für Aussätzige, wo diese ihre Hände verbargen, weil sie nur noch Stümpfe hatten. Noch heute schäme ich mich bisweilen meiner unzureichenden Güte, denn, so lang man Überfluss besitzt - von Zeit oder Geld -, tut man nie genug für die Notleidenden. Die entwickelte Welt stellt auch den im Elend lebenden Menschen zu beschränkte Mittel zur Verfügung und zahlt zu niedrige Preise für deren Produkte. Dies muss ändern.

Natürlich habe ich bei den Bedürftigen auch Korruption, Egoismus und Eitelkeit gesehen. All dies gibt es aber auch bei uns, und zwar im Überfluss; das ist noch schlimmer! Es gibt also keine Entschuldigung für tatenloses Zuschauen,
Doch glücklicherweise bin ich fast jedes Mal, wenn ich dem Elend nahe war, diesen Männern und Frauen begegnet, die ihr Leben ganz in den Dienst der einfachen Leute, der Kleinen und Behinderten stellen. Sie sind Hoffnungsträger und Vorbilder im Kampf gegen alles Übel, aber auch gegen unsere mangelnde Liebe und Barmherzigkeit.


Die Nächstenliebe
August 2007


Ich erlaube mir hierbei vom "Apostel der Aussätzigen", Raoul Follereau, der im Jahre 1977 gestorben ist, einige Stellen seiner Bücher über die Nächstenliebe zu zitieren. Dieser grosse französische Prophet des XX. Jahrhunderts - der mir während zahlreichen Jahren die Ehre einer treuen Freundschaft erwies - hatte in der Tat als Grundanliegen "den Menschen wieder zu vermenschlichen". So setzt er sich schon mit fünfzehn Jahren (1918) dafür ein, dies zu verwirklichen, als er in einem Kinosaal von Nevers über "Gott ist die Liebe" referiert. Er verfolgt dieses Ziel durch klare, bestimmte Taten jeder Art: durch "Die Stunde der Armen", "Die drei Schuhe vor dem Cheminée", "Ein Tag des Krieges für den Frieden", "Der Welttag der Aussätzigen". Er gelangt an die Grossen dieser Welt, interveniert bei internationalen Organisationen, zum Beispiel bei der UNO und der Weltgesundheitsorganisation, hält auf der ganzen Welt Hunderte von Vorträgen und sucht, manchmal unter schwierigen Umständen und unter Lebensgefahr, die Elenden und Aussätzigen auf.
Er sagt :
- "Wissen, ohne dass man zu lieben weiss, ist nichts. Und manchmal schlimmer als nichts."
- "Nur hoffen besagt recht wenig, und bloss zu leben, ist nichts: man muss lieben."
- "Herr, rette die Liebe vor der Intelligenz, die Verrat übt, vor der Maschine, die versklavt, vor dem Geld, das verdirbt."
- "Wer am meisten zur Liebe fähig ist, hat Recht, wird immer Recht behalten, ihm gehört die Zukunft; er wird der letzte Sieger sein."
- "Weder die Zahl noch die Macht noch das Geld machen die Kultur aus. Kultur besteht im geduldigen, leidenschaftlichen, hartnäckigen Verlangen, dass es auf Erden weniger Ungerechtigkeit, weniger Leid, weniger Unglück gibt. Kultur besteht darin, dass man einander liebt. Einander lieben oder untergehen: Es gibt keine andere Wahl."
Aber das geht im Geiste Follereaus sehr weit: Es genügt nicht, jemandem auf dem Weg zu begegnen, ihn gedanklich zu lieben und ihn dann ausser acht zu lassen. Man muss mit dem Bedürftigen, dem Unglücklichen, ja mit dem Feind in Gemeinschaft treten und im Licht dieser Gemeinschaft eine Lehre für sich selbst ziehen und unverzüglich handeln. Er meint: "Unser Gesetz ist es, in jedem menschlichen Wesen einen Menschen und in jedem Menschen einen Bruder zu sehen. Herr, mach, dass das Leiden der anderen uns schmerzt."
Raoul Follereau zieht zu Kreuzzügen der Liebe und Güte aus:
- "Die Armen lieben, die Glücklichen lieben, den Nachbar lieben, den Unbekannten lieben, den Nächsten lieben, der am Ende der Welt ist, den Fremden lieben, der ganz nahe bei uns ist, lieben, lieben..."
- "Ohne dies nützen kein Kniefall, keine Kirchenglocken oder Karwochen; wenn Sie nicht lieben, sind Sie kein Christ."
Das tönt hart, aber auch klar. Man könnte sagen, man brauche das bloss noch in die Tat umzusetzen. Es ist die Mühe wert dies zu probieren...


Mammon
Juli 2007


Das Wort "Mammon" kommt aus dem Aramäischen, der Muttersprache Jesu, und besagt "Reichtum". Nach Angabe des Wörterbuchs wird es in der jüdischen Literatur oft in einem abschätzigen Sinn gebraucht; so auch in den Evangelien, wo es das die Welt knechtende Geld bedeutet. Heute ist es immer noch so; alles ist käuflich: nicht nur Gegenstände und Produkte, die zum Leben nötig sind, sondern sogar der Mensch mit seinen Reizen und Gefühlen. Die Macht des Geldes ist beträchtlich und sehr oft verächtlich.

Es handelt sich hier um ein ethisches Problem, das jeden von uns und sein Gewissen angeht. Aber für uns Christen ist es interessant zu sehen, wie die Evangelisten im Neuen Testament sich mit den Worten Jesu über den Mammon, aber auch über die Armut, ausführlich befassen. Dies geschieht besonders bei seinen Treffen mit den Steuereinnehmern oder mit dem reichen jungen Mann, als der Sohn Gottes seine Auffassung über das Geld verdeutlicht. Aber auch in seinen Gleichnissen von den Arbeitern im Weinberg, die alle, trotz ungleicher Arbeitszeit, denselben Lohn erhalten und auch von den Talenten, die man fruchtbringend einsetzen muss. Alles in allem wird das Geld als solches weder verurteilt noch gepriesen; entscheidend ist, welchen Gebrauch man davon macht und welchen Wert man ihm beimisst... In diesem Zusammenhang berichtet dennoch der Apostel Matthäus über die Grundhaltung Christi, indem er dessen Worte anführt: "Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon". Zudem hat Jesus, auch wenn er hartherzigen Reichen äusserst harte Worte entgegenschleuderte, doch nicht nur mit Armen, sondern auch mit Reichen verkehrt und ihnen nie sein Erbarmen verweigert, wenn sie bereit waren, auf ihn zu hören und ihm zu folgen; denn er will ja jeden von uns retten. Er sagt zwar: "Ein Reicher wird nur schwer in das Himmelreich kommen... Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt." Doch als die Apostel ihn fragen: "Wer kann dann noch gerettet werden?", antwortet er: "Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich."

Jeder oder jede von uns - ob reich oder arm, ob Christ oder nicht - trifft bei jeder Wegbiegung auf den Gott Mammon. Es ist nicht leicht, ihm zu widerstehen, geben wir es nur zu. Nichts ist schwieriger, als Luxus und übertriebenen Komfort zu meiden, z.B. auf Autofahrten (ausser, wenn sie unerlässlich sind) zu verzichten, Nächstenliebe zu üben, zu teilen, und dabei doch zu wissen, dass man für kranke und alte Tage, für sein Heim, seine Kinder vorsorgen muss... Da wir in einer Welt leben, wo ein Viertel der Menschen nicht genug zu essen haben, und wir jeden Tag Behinderten, Arbeitslosen, Asylsuchenden, Flüchtlingen, Drogenabhängigen, Aidskranken begegnen, dürfen wir unmöglich tatenlos bleiben und die Augen schliessen. Es wäre, für die Bessergestellten eine Unterlassungssünde, ein offenkundiger Mangel an Nächstenliebe, ja ein Verbrechen, nichts von dem, was sie über das Lebensnotwendige und Standesgemässe hinaus besitzen, denen zu geben, die Armut, Hunger oder Krankheit kennen, um ihnen zu helfen, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Ja, es wäre stossend, ein Leben in Vergnügungen und Luxus zu führen, während viele in ihrem Herzen und an ihrem Leib so schlimm leiden.

Diese Solidaritätspflichten betreffen auch die politischen Institutionen mit Ihren Führungskräften, die Unternehmen mit ihren Managern, die Völker und die Familien. Das Beispiel eines jeden Christen an der Stelle, an der er sich befindet, kann der Auslöser sein, der die Welt wenigstens ein Stück Frieden und den wahren Reichtum finden lässt, die nicht mit Geld zu bezahlen, sondern vor allem mit Liebe zu erkaufen sind.


Familie und Ehe
Juni 2007


Die Familie existiert seit der Erschaffung der Welt, auch wenn sie sich zum Clan, Stamm, Volk entwickelt und schliesslich zur Bildung einer Nation geführt hat. In allen Gesetzen und Vorschriften, welche die Ehe betreffen, widerspiegelt sich ein und dasselbe Anliegen: das feste Bestehen der Ehe, um durch die Weitergabe des Lebens den Fortbestand der Familie, der Grundzelle der Völker und der Staaten, zu sichern.

Ohne Zweifel hat die Ehe stets einen hohen moralischen Stand erreicht, abgesehen von unguten Verhältnissen, wie Zwang, Inzest oder Polygamie. Zahlreiche alte Kulturen und Religionen, selbst animistische, haben, im Respekt gegenüber der Natur und der gemütvollen und sittlichen Werte, sowie in frommer Ahnenverehrung, eine sehr weit gediehene natürliche und liebevolle Familieneinheit hervorgebracht.

Mit der gewaltigen Zunahme der wirtschaftlichen Möglichkeiten und der technischen Mittel und vor allem mit dem Überhandnehmen materialistischer, egoistischer und hedonistischer Einstellungen scheint es, dass sich die Situation verschlechtert hat und schliesslich zum Grassieren des Ehebruchs, der Pornographie und der sexuellen Ausschweifung geführt hat, wie wir das heute feststellen müssen. Betrachtet man frei zusammenlebende Partner nicht als neue Familieneinheiten und geht man nicht so weit, dass homosexuelle Paare eine zivile Heirat eingehen können, ja dass ihnen eine kirchliche Segnung gewährt wird? Und was noch schlimmer ist: Viele Eltern sind durch ihre beiden Arbeitsplätze dermassen in Anspruch genommen oder sosehr auf das Fernsehen versessen, dass sie keine Zeit mehr finden, um sich ihren Kindern zu widmen. Der Strasse überlassen und zwischen ihren getrennten oder geschiedenen Eltern hin und her gerissen, suchen die jungen Menschen nach neuen Wegen, verlieren oft den Halt und lassen sich zu Drogengenuss und Gewalt, zum Besuch von schädlichen musikalischen Veranstaltungen oder, um ihrem grausamen Schicksal zu entgehen, zur Flucht in Sekten verleiten.

Für uns Christen stehen in der Bibel viele Ereignisse, die uns den Sinn der Familie und der Ehe klarmachen. Zwei davon haben eine tiefere Bedeutung: Vor mehr als 3200 Jahren hat Gott dem Mose in Form der zehn Gebote einen Gesetzeskodex übergeben - auf welche Weise dies geschah, ist nebensächlich; im Bericht mögen auch legendäre Züge mitspielen -, und vor 2000 Jahren ist Christus gekommen mit seiner umwälzenden Lehre. Der Dekalog und besonders die Predigt Jesu treten entschieden für die Unauflöslichkeit der Ehe, die Ehrfurcht vor den Eltern, den Schutz des Lebens ein und verurteilen den Ehebruch ohne wenn und aber.

Als man Jesus die Frage stellte: "Ist es erlaubt, dass ein Mann seine Frau aus jedem beliebigen Grund wegschickt?", gab er zur Antwort: "Habt ihr nicht gelesen, was in den Heiligen Schriften steht? Dort heisst es, dass Gott am Anfang den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat. Und er hat gesagt: Deshalb verlässt ein Mann Vater und Mutter, um mit seiner Frau zu leben. Die zwei sind dann eins, mit Leib und Seele. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Und was Gott zusammengefügt hat, sollen Menschen nicht trennen"(Mt 19, 3-6). Daher sind alle christlichen Kirchen der Überzeugung, dass der Dienst an der Familie eine ihrer wesentlichen Aufgaben ist. Für sie bildet die Familie als Gemeinschaft von Personen die wichtigste Vereinigungsform, die Urzelle der menschlichen Gesellschaft, die Grundlage zur "Zivilisation der Liebe". Und die Ehe ist ihr entscheidendes Band. Nicht eine einzige Kirche verlangt von uns, wie es viele behaupten, den Verzicht auf die Sexualität und die so wertvolle leibliche Liebe. Und alle sind der Meinung, dass sich aus der ehelichen Vereinigung innerhalb der Familie die gemeinsame Verantwortung des Mannes und der Frau ergibt, auch für das neue Leben, das sie hervorbringen. Die Forderungen nach sogenannter "sicherer Sexualität" und nach dem "Selbstentscheidungsrecht" (pro choice), fördern eine falsche sexuelle Freiheit. Auch stecken hinter ihnen oft Tendenzen, die Abtreibung zu begünstigen und das Ehepaar zu trennen. Deshalb sind sie entschieden zu verurteilen.

Allein der Glaube, der Berge versetzt, hilft uns die Ehe weiterhin in der Klarheit der Gebote zu leben, ohne uns von der herrschenden, hedonistischen, materialistischen und laizistischen Mentalität durchdringen zu lassen. Mit dem Gebet gibt Gott uns die Kraft in unserer Familie einfach und ehrlich zu leben, aber auch uns in den Dienst anderer zu stellen, in den des Gatten und der eigenen Kinder, aber auch der Ärmsten bei uns und in der Dritten Welt.


Hunger in unserer Zeit
Mai 2007


Von vornherein ist festzustellen: Hunger besteht nicht nur als Folge von Nahrungsmangel, sondern auch als falsche Ernährungsweise - nach Quantität und/oder Qualität schlecht erwogene Ernährung -, die beide zu einem vorzeitigen Tod führen können.

Hunger dezimiert gegenwärtig noch gegen 800 Millionen Menschen, sogar in gewissen reichen Ländern. In unserer Ära der Technik, der Globalisierung und des Wirtschaftsaufschwungs ist es kaum denkbar, dass infolge schwieriger klimatischer Bedingungen, Katastrophen oder schwerwiegender politischer Ereignisse eine so ungeheure Zahl Männer, Frauen und Kinder gezwungen ist, Gras oder Blätter zu essen, verschmutztes Wasser zu trinken oder wie Vieh zu verenden. Und doch ist das die traurige Wahrheit: der unhaltbare Widerspruch zwischen Verschwendung und Luxus auf der einen Seite und des Sterbens an Entkräftung auf der anderen in gänzlicher Missachtung der von allen Völkern angenommenen Erklärung der Menschenrechte.

Im Gefolge der UNO wurden Hunderte von regierungsamtlichen oder privaten, konfessionellen oder nichtkonfessionellen Sozialorganisationen ins Leben gerufen, welche wichtige Projekte realisiert haben, die trotzdem unzureichend sind. Somit bleibt der Hunger eine scheussliche Geisel, gegen die sich jeder von uns einsetzen muss. Es ist klar, dass wir diese Institutionen kraftvoll unterstützen sollen aber wir müssen auch einfacher leben. Es sollte für uns und unsere Kinder unerträglich werden, die am Ende einer daheim oder im Restaurant genommenen Mahlzeit, die zahlreichen vergeudeten liegengelassenen Speisereste zu sehen: Fleischstücke, Gemüseportionen, Desserts und noch fast ganze Brötchen, die oftmals durch Verschwendung in den Abfallkübeln oder im Maul von Schweinen enden.

Der Ökumenische Rat der Kirchen und der Vatikan erinnern uns immer an die Worte Jesu zum letzten Gericht :"Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleider gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen. "

Angesichts dieses Versprechens und der bald überall bestehenden Not, auch in unseren wohlhabenden Städten, sollte sich jeder von uns zu einem (in Kleidung, Essen, usw.) einfachen Leben verpflichtet fühlen. Doch niemand (auch nicht die Kirchen), verwehrt uns deswegen, uns gelegentlich einen Leckerbissen oder eine reichliche, mit gutem Wein begossene Mahlzeit zu gestatten. Im Grunde geht es um die Frage: Sind wir bereit, eine Teil unseres Wohlstandes, unseres Überflusses, vielleicht selbst das für uns Notwendigen für die Armen und Hungernden zu opfern, wenn, wie das heute der Fall ist, ein Notstand vorliegt? Sind wir beispielweise fähig, einen namhaften Teil unseres Budgets für teure Mahlzeiten, Reisen, Kosmetika oder Vergnügungen dazu zu verwenden, um zu Gunsten unserer weniger begünstigten Brüder in der Dritten Welt humanitäre oder Entwicklungsprojekte zu finanzieren?

Einzig eine Globalisierung des Teilens und der Zusammenarbeit zwischen allen Menschen wird unsere Welt von Hunger und Not retten.


Atombombe oder Barmherzigkeit ?
April 2007


In letzter Zeit spricht man wieder häufiger von der Atombombe. Zwei Staaten sind besonders daran schuld: Nordkorea und Iran. Sie drohen mit der Herstellung ihrer eigenen Nuklearwaffen und besonders der Atombombe, dies trotz den wiederholten Mahnungen der UNO, der Internationalen Atomenergie-Agentur und der Grossmächte, die sie auffordern, solche Programme zu stoppen.

Angesichts dieser Situation, möchte ich gern auf einige historische Ereignisse zurückkommen und auch die Anstrengungen von meinem 1977 verstorbenen Freund Raoul Follereau, dem Apostel der Aussätzigen, erwähnen, der oftmals die Welt auf die Verrücktheit der Atombombe aufmerksam machte. (Siehe Text über ihn unter Rubrik "Artikel" dieser Homepage.)

Versetzen wir uns in den Fernen Osten von anfangs August 1945 zurück. Die Japaner halten ein riesiges Gebiet besetzt, das von Indonesien bis Indochina, von China bis zur Mandschurei reicht. Im Juni hat die Eroberung von Okinawa, der wichtigsten der Riu-Kiu Inseln, durch die amerikanischen Truppen diese 7 613 Tote und 31 907 Verwundete gekostet, und falls sie nun auch auf die anderen Hauptinseln Japans übersetzen müssen, wird es weitere gewaltige Verluste an Menschen und Material geben.

Obwohl die Alliierten Japan wiederholt dazu aufgefordert haben, weigert es sich, zu kapitulieren. Um einen langen Krieg zu vermeiden und vielleicht auch, um das Risiko eines Eingreifens der Russen auszuschalten, beschliesst Präsident Truman, mit dem Einverständnis der Generäle Spaatz Mac Arthur, der Ober- kommandierende der alliierten Streitkräfte im Südpazifik, eine Atombombe über einer dichtbevölkerten Stadt abzuwerfen.

Am 6. August, um 8.13 Uhr, erhält Tom Feerebee in seinem Flugzeug "Enola Gay" den Befehl, über Hiroshima, einer Stadt mit 900 000 Einwohnern, sich von seiner Uraniumbombe loszutrennen. Es gibt 78 150 tote Zivilisten, 13 939 Verschollene und 9 284 Schwerverletzte sowie mehr als 20 000 tote Soldaten. Am Mittag des 9. August explodiert über Nagasaki die zweite Atombombe, die um die 36 000 Menschen tötet und 40 000 verwundet. Daraufhin kapituliert am 14. August der Kaiser Hirohito und verzichtet auf seine göttlichen Vorrechte. Das Atomzeitalter hat begonnen.

Wie jedermann hatte auch Raoul Follereau die weltweite Angst vor der Kernenergie, der Bombe und der Atomspaltung verspürt. 1948 veröffentlichte er die von den offiziellen Ämtern zusammengestellte schreckliche Bilanz des Zweiten Weltkrieges - 14 450 000 getötete und 29 650 000 verwundete Offiziere und Soldaten, 6 300 000 Zivilpersonen durch Bombardierungen getötet sowie vergast, verbrannt und ermordet - und verband damit einen aufrüttelnden Appell, damit diese schlimme Lektion die Gewissen und Herzen erhelle: "Einzig die Nächstenliebe wird die Welt retten". 1949 veröffentlichte er im Zusammenhang mit einer neuen Kampagne unter dem beschwörenden Titel "Einander lieben oder untergehen" ein Manifest "Atombombe oder Barmherzigkeit?". Es lohnt sich, gewisse bemerkenswerte Stellen dieses Manifests zu überdenken:

"Gewiss hat es immer Kämpfe und Kriege gegeben. Am Anfang waren es Kain und Abel, doch Kain konnte nur Abel töten... Dann kam der Fortschritt und der Fortschritt wurde zu einer ungeheuren Mordmaschine. Morgen kann ein Mann, ein einziger, der Wahnwitz eines einzigen Menschen, die gesamte Menschheit vernichten... Denn wer kann uns versichern, dass der Abwurf von tausend, zweitausend Atombomben auf die Erde nicht das Ende der Welt bedeutet?"

Das ist die Apokalypse, die Raoul Follereau vor Augen stand. Heute ist die Lage noch schlimmer; es wären sicher weniger Atombomben notwendig, um die Welt zu vernichten. Ein Terrorist, ein verrückter Machthaber könnte sich ihrer bedienen, und es wurden schon alle Arten von Schreckensszenarien entworfen, worin die Atombombe als Droh- oder Erpressungsmittel dient. Es handelt sich nicht mehr um blosse Science-Fiction.

Raoul Follereau sagte: "Gleichwohl ... hat Gott zugelassen, dass der Mensch das Atom zu spalten lernt, hat es ihm freigestellt, daraus zu machen, was ihm sein Herz befiehlt. Wenn der Mensch es will, wird die Kernkraft zu einer für ihn unerschöpflichen Quelle von Energie und Wärme. Niemand braucht mehr zu frieren. Bald wird niemand mehr hungern. Doch wenn der Mensch anders will, wird die Erde zerfallen, das Menschengeschlecht verschwinden. Welche Frucht wird der Mensch vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen wohl pflücken?"

Zum Glück haben nach Hiroshima und Nagasaki die Menschen bis heute die Atombombe nicht mehr zum Zerstören verwendet. Verschiedene Verträge wurden angenommen. Die über Nuklearwaffen verfügenden Staaten verpflichten sich, ihr militärisches Wissen nicht an Staaten weiterzugeben, die nicht über Atombomben verfügen, während diese Letzteren darauf verzichten, sich atomar aufzurüsten. Es gibt auch ein Atomteststopp-Vertrag. Aber mehrere Staaten wollen nicht einige von diesen Verträgen unterschreiben und verweigern die Kontrolle der Internationalen Atomenergie-Agentur. Genügt denn das?

In seinem Manifest "Atombombe oder Barmherzigkeit" gibt uns Raoul Follereau eine klare Antwort. Sie ist ein entschiedenes Nein. Denn, wenn er noch lebte, könnte er sich nicht mit der heutigen Lage zufrieden geben, da er unentwegt gegen den Krieg war. Obwohl ein solcher zur legitimen Verteidigung oder im Fall einer Verletzung des Völkerrechts in letzter Instanz erlaubt ist, muss man dennoch alles tun, um Friedenssituationen zu schaffen, die den einzelnen und alle Menschen respektieren, so dass der Krieg sinnlos wird. Raoul Follereau erblickte in der Nächstenliebe das Mittel, ihm ein Ende zu machen, und er würde weiterhin rufen: "Der Krieg, der nun anhebt, heisst: Barmherzigkeit gegen Atombombe. Es ist ein allerletzter Kampf. Denn nur die Nächstenliebe ist imstande, die Atombombe in der Menschenbrust auszulöschen."

Es geht sogar so weit, dass er die Atombombe mit der Barmherzigkeit vergleicht. Beide wirken sich endlos aus. Die Kernspaltung zerstört ein Atom nach dem andern und erzeugt dadurch eine fürchterliche Kraft, eine undefinierbare, vielleicht endlose Kette von Zerstörungen. Die Nächstenliebe ruft durch eine Verkettung guter Taten und Gesten wahrer Brüderlichkeit eine undefinierbare, vielleicht endlose Reihe von Beglückungen hervor. Und Follereau stellt uns vor die Wahl: "Atombombe oder Barmherzigkeit? Todeskette oder Liebeskette? Wir müssen uns entscheiden, sofort und für immer." Man kennt die Schlussfolgerung: "Einander lieben oder untergehen".


Im Stress…
Februar 2007


Ein " gestresster " Freund hat mir Anlass gegeben, etwas über dieses moderne Übel zu schreiben; vor einigen Jahren war er noch Geschäftsleiter eines Elektronik-geschäfts.

Er hatte es fast jede Stunde - vielleicht noch öfters - mit dem zu tun, was man als "Vergötzung der Eile" bezeichnen könnte. Der Kunde will eine Auskunft, eine Reparatur, aber auch sein Wunschobjekt oder seinen Computer sofort, presto, subito haben. Alles muss augenblicklich geliefert werden, sonst verzieht man das Gesicht und man wird missmutig und unzufrieden. Ganz gleich ob man den Verkäufer in Stress bringt, ein anderer Kunde im Laden oder am Telephon warten muss oder ob etwas überlegt oder studiert sein will, äussert man Unmut und Enttäuschung. "Ich muss es sofort haben", "Ich kann nicht warten" oder "Ist es bald fertig?" sind die häufigsten Äusserungen, die man dem Gegenüber wie Messer an den Hals setzt.

Und es ist überall so. Beim Lebensmittelhändler, beim Bäcker und beim Buchhändler ist alles dringend: der Zucker, das frische Kipfel, die Neuerscheinung. Natürlich gibt es dringende Fälle; man kann es nicht verleugnen. Meistens jedoch handelt es sich bloss um ein zum Vergnügen dienendes Produkt oder um eines, das stundenlang oder sogar tagelang unbenutzt bleibt. Am Ort wo wir arbeiten - in der Bank, Fabrik oder Werkstätte - können wir auch Eile diktieren oder empfinden durch die Rendite, den Überkonsum, die Gewinnsucht... Bei denen, die diese Überforderung oder entwürdigende Situation auf sich nehmen müssen, führt es zur Ausbeutung und zur Überbeanspruchung ihrer Körper- und Geisteskräfte, und schlussendlich zu Stress, Erkrankung oder Depression.

Sicher deswegen hat mein Freund mich aufgefordert, in der Bibel nachzusehen, was dieser Abgötterei der Eile abhelfen kann.

Der Evangelist Matthäus erzählt wie oft Christus in eine bedrängte Lage geriet und schreibt: "Jesus zog durch ganz Galiläa... Die Kunde von ihm verbreitete sich sogar in ganz Syrien. Die Leute brachten alle zu Jesus, die an irgendwelchen Krankheiten oder Beschwerden litten, auch Besessene, Epileptiker und Gelähmte, und er machte sie gesund." So der Hauptmann von Kafarnaum, der ihn bittet, seinen Knecht zu heilen; die Schwiegermutter des Petrus, die mit schwerem Fieber im Bett liegt; die Besessenen von Gerasa, der Mann mit der verdorrten Hand. Bei jedem von ihnen ist Eile geboten, bei Aussätzigen und erst recht bei solchen, die am Sterben oder - nach Aussagen der Verwandten - bereits gestorben sind.

Jesus nimmt es mit diesem gewaltigen Stress - selbst wenn es wiederholt "nach dem Untergang der Sonne" geschieht - ruhig, geduldig und mutig auf, auch wenn er erschöpft und mit den Nerven am Ende ist. Steht er nicht unter dem gleichen Druck wie wir in unserer Zeit, in der viele von anderen Menschen überfordert werden und manchmal bis tief in die Nacht hinein die Zwänge der neuen Techniken, der Gesetze der Wirtschaft, der Globalisierung auszuhalten haben? Wenn Christus übermüdet war, machte er wiederholt kürzere oder längere Pausen im Gebirge oder in der Wüste, um sich zu erholen und geistig zu stärken. Auch gestattete er sich von Zeit zu Zeit einige wohltuende Stunden der Entspannung, indem er mit Freunden oder den Aposteln Mahl hielt.

Welche Lehren können wir aus den Texten der Bibel ziehen?

Suchen wir erstens unserem Stress Einhalt zu gebieten, indem wir in unsere alltäglichen Beschäftigungen wohltuende ruhige Augenblicke einschalten, auch wenn es nur dazu wäre, wieder einmal aufzuatmen oder an etwas anderes zu denken. Aber auch um uns die Kraft und die Mittel zu verschaffen, um denen gegenüber, die uns drängen oder belästigen, standzuhalten. Dazu sollen wir uns erinnern an das was Jesus in seiner Bergpredigt sagte: "Selig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land besitzen." Das soll uns aber unter Umständen nicht daran hindern, etwas abzulehnen oder die Bedränger um Geduld zu bitten.

Das genügt jedoch noch nicht. Wir sollen nicht nur vermeiden, unsere Mitmenschen in Aufregung, Überanstrengung und Konflikte zu versetzen, sondern ihnen Respekt und Vertrauen entgegenbringen. Und wenn wir politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche oder andere Ämter ausüben, haben wir die Aufgabe, für diejenigen, die von uns abhängen, menschenwürdige Arbeitsverhältnisse zu schaffen. Das sind elementare Verpflichtungen, die sich für uns aus den Menschenrechten und dem Gebot Gottes ergeben: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."

Um als Christen diese Lebensauffassung zu verwirklichen, haben wir uns selbst gegenüber die gebieterische Pflicht, uns von Zeit zu Zeit körperlich und geistig "aufzutanken" (Gebet und Meditation), Ferien zu machen, nach der Arbeit ein gutes Mahl, einen angenehmen Abend in der Familie oder mit Freunden zu geniessen, wie das Christus mit seinen Aposteln tat. In der Kirche erwartet er uns zur Kommunion - der kräftigsten Wegzehrung - oder zu einem improvisierten Besuch anlässlich unserer Einkäufe, eines Ausgangs oder Spaziergangs. Damit wird er uns helfen, eines Tages, in sein Reich hineinzutreten, wo es keinen Stress mehr gibt, sondern nur Liebe, Frieden und Ruhe.


Die Medienexplosion
Januar 2007


Zum einen bringt uns die Flut von Informationen in eine Situation, in der wir uns kaum noch zurechtfinden; zum andern werden sie immer ungewisser, subjektiver oder gar gefälscht. Dies geschieht vor allem deshalb, weil sie die Geschehnisse möglichst rasch wieder geben müssen, damit sie aktuell bleiben, gewisse politische und wirtschaftliche Kreise einen konstanten Druck ausüben und auch die Darstel-lungsmöglichkeiten immer perfekter und somit manipulierbarer werden. Sowohl die schriftliche als die bildliche Desinformation sind nachgerade zu üblen Gewohnheiten geworden.

Die meisten Presseagenturen reden den Menschen ein, sie hätten mehr Sex, mehr Geld, mehr Freiheit nötig. In diesem Sinn bringen sie Feuilletons sowie gross aufgemachte Berichte über Ausschweifungen, Gewalttaten und Skandale, während edelmütige Gefühle sie kaum interessieren. Sie kreisen vor allem um die schlimmsten Untaten, dringen in Geheimsphären ein, um sich kompromittierende Dokumente zu verschaffen, urteilen, bevor ein Richterspruch erfolgt ist und schreiben die Geschichte neu. Sie predigen die Emanzipation der Frau und erniedrigen sie gleichzeitig zu einem Sexualobjekt und verletzen die von jedem Menschen benötigte Intimsphäre; die Religion, die wesentlichen Werte, die Familie sind Themen, die bald tabu sein werden. Schlussendlich verleiten sie uns zum Luxus und machen schreiende Reklame für ungehemmten Konsum. So weit sind wir gekommen! Angesichts dieser Situation hat ein bekannter zeitgenössischer Autor, Thierry Saussez, einem seiner Bücher den vielsagenden Titel vorangestellt "Wir sind hier kraft der Medien". Und der grosse amerikanische Wirtschaftwissenschaftler und Theologe Michael Novak hat in einem seiner Werke geschrieben: "Die Medien sind imstande, Ideen und Symbole zu verbreiten, die mächtiger sind als die Realität. Sie sind eine neue Realität."

Angesichts der Überflutung durch die Medien und des Mangels an Objektivität vieler ihrer Erzeugnisse, ist man heute kaum mehr imstande, sich eine gültige Meinung zu bilden. Wie kann man also auf diesen Stand der Dinge reagieren?

Organe zur Kontrolle der Medien - obwohl diesen eine gewisse Freiheit zuge-standen werden sollte - scheinen auf allen Ebenen (auf der örtlichen, regionalen, nationalen und internationalen) immer dringlicher zu werden, das um so mehr, als die Informationsflut und -fälschung gewaltige Ausmasse anzunehmen drohen. Öffent-liche und private Instanzen sind sich zum Glück dessen bewusst, wissen aber noch nicht so recht, welche Rolle und Zusammensetzung diese Organe aufweisen müssen.

Bis es soweit kommt, muss jeder von uns aktiv werden. Erstens ist eine Aus-wahl zu treffen unter den Zeitungen, die wir abonnieren können, unter den Filmen und anderen Darbietungen (Unterhaltungen, Sport, Kultur, u.s.w.), die wir im Rundfunk, im Fernsehen, im Kino oder anderswo nach dem Urteil unseres Gewis-sens und unserem gesunden Empfinden anhören oder ansehen. Wir können uns dabei auch an die von den Kirchen empfohlenen Kriterien halten und christliche Medien, welche die wahren moralischen, kulturellen und künstlerischen Werte fördern, in Form von Zuschüssen und Spendenaktionen unterstützen.

Unser kritisches Urteil, das sich auf Grund der (guten oder schlechten) Erfahrungen, die wir Tag für Tag machen, entwickeln wird, hilft uns, die richtige Haltung einzunehmen: von der einfachen Weigerung, eine Sendung anzuhören oder anzusehen, bis zu einem mündlichen oder schriftlichen Protest bei den öffentlichen oder privaten Verantwortlichen, die unsere ethischen Überzeugungen oder sogar unsere Intimsphäre verletzt haben. Und nutzen wir - wenn wir privat, gesellschaftlich oder politisch dazu in der Lage sind - die Medien, indem wir uns wenn möglich an gewissen Sendungen beteiligen oder Leserbriefe veröffentlichen, um unseren Standpunkt in Toleranz aber auch mit Entschlossenheit zu äussern.

Wenn wir Christen sind, muss die Heilige Schrift für unser Denken und Tun und so auch für unsere Reaktionen gegenüber den Medien bestimmend sein. Sie gibt uns die Kraft, richtig zu reagieren und unseren Körper sowie unsere Seele nicht vergiften zu lassen. Wir dürfen uns durch die apokalyptische audiovisuelle Maschi-nerie nicht mehr beeinflussen oder zerstören lassen; zu Pornographie und zu sexueller Ausschweifung, zu Angriffen auf die Familie, die Kinder, die Frau usw., nicht mehr einfach schweigen. Machen wir, neben unserem persönlichen Engagement, von den Möglichkeiten Gebrauch, die in Form von christlichen oder anderen Verbänden und Bewegungen existieren, die gegen solche Frevel ankämpfen. Christus Worte an seine Aposteln werden uns helfen, die evangelische Botschaft an die Medien zu bringen, die den Menschen und seine Integrität nicht respektieren: "Was ich euch in der Dunkelheit anvertraue, das sagt am hellen Tag weiter, und was ich euch ins Ohr flüstere, das ruft laut in der Öffentlichkeit aus. Fürchtet euch nicht vor denen, die nur den Leib, aber nicht die Seele töten können. Fürchtet euch vor Gott, der Leib und Seele ins ewige Verderben schicken kann" (Mt 10, 27-28).

Demzufolge, versäumen wir nicht, wenn es nötig ist, zu reagieren und zu handeln! Aber, behalten wir immer unser Hauptziel im Auge: das heisst, die evangelische Botschaft von Frieden und Liebe selber gegenüber den andern und besonders den meist Benachteiligten zu verwirklichen, wie die Aposteln und die ersten Christen es getan haben. Vielleicht werden wir uns dann weniger um die Sensationsmedien kümmern. Und diejenigen, die sie leiten, werden eventuell auch wieder ihrer wesentlichen Aufgabe gegenüber der Gesellschaft bewusst werden, über das Geistige und die Ereignisse - seien sie gut oder schlecht -, auf Ehre und Gewissen, sowie mit Respekt und Objektivität, Bericht zu erstatten, ohne die Förderung der Kritik, der Diskussion oder des Dialogs zu vernachlässigen.


Die Geburt Jesu
Dezember 2006


Nach ihrer langen Herreise von Nazareth für die römische Volkszählung haben Maria und Josef in einer Grotte bei Bethlehem Unterkunft gefunden. Gewiß haben sie diese ein wenig hergerichtet, um sie wohnlich zu machen. Man kann sich vorstellen, daß Maria frisches Stroh und Decken auf den Boden ausgebreitet hat, um darauf zu schlafen, und daß sie eine oder zwei Öllampen in Felsnischen anbrachte, während ihr Gatte die Feuerstelle zum Kochen hergerichtet und Wasser und Holz geholt haben wird. Da Josef sich auf das Schreinern versteht, hat er vielleicht sogar ein Tischchen angefertigt, um darauf zu essen und das Kindlein zu wickeln, das sie erwarten. Auch wird er in der Umgebung nach einer Frau gefragt haben, die Maria bei der Geburt beistehen konnte, denn, wie Lukas in seinem Evangelium sagt, "kam für Maria, als sie dort waren, die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe", das heißt in den Futtertrog der Tiere.

Hirten, die auf freiem Feld bei ihrer Herde Nachtwache hielten, erblickten plötzlich einen Engel, dessen Glanz sie umstrahlte. Um ihre Angst zu beheben, sprach dieser sie an und sagte, daß ihnen in der Stadt Davids ein Retter, Christus der Herr geboren sei. Da begaben sie sich eilends nach Bethlehem, wo sie alsbald Maria und Josef mit dem Kindlein fanden. Darauf erzählten sie zur Verwunderung derer, die es hörten, alles, was sie gesehen hatten und was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.

Am achten Tag wird Jesus wie jedes Knäblein beschnitten, den göttlichen Offenbarungen entsprechend, die den Stammvätern des jüdischen Volkes - Abraham, Isaak, Jakob, Mose - zuteil geworden waren. Für die Israeliten trägt er damit an seinem Leib das unauslöschliche Zeichen seiner Zugehörigkeit zum Gottesvolk.

Lukas beendet seinen Bericht über die Geburt Jesu mit der Erwähnung dieser Beschneidung, während Matthäus in seinem Evangelium noch eine sehr wichtige Episode erzählt, denn laut ihm gesellen sich zu den Hirten - den Geringen - Grosse dieser Welt, Sterndeuter, die von weither nach Jerusalem kamen. Wie diese erzählen, erblickten sie im Orient den Stern des Königs der Juden und folgten ihm. Sie erkundigen sich nach dessen Geburtsort und suchen Herodes den Großen auf, der als Vasall der Römer eine brutale und prunkvolle Herrschaft über ganz Palästina ausübt. Dieser ruft die mit der Auslegung des mosaischen Gesetzes beauftragten Priester und Schriftgelehrten zusammen, die auf Grund einer Weissagung des Propheten Micha ihm den Ort Bethlehem angeben. Dem Stern folgend, der ihnen wieder erscheint, begeben sie sich eilends dorthin und werfen sich nach ihrer Ankunft anbetend vor Jesus nieder und bringen ihm Geschenke dar: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Wegen einer göttlichen Warnung, die sie im Traum erhalten hatten, hüteten sie sich, Herodes wieder in Jerusalem aufzusuchen und kehrten in ihr Land zurück.

Wie viele überraschende Ereignisse umgeben die in einem Elendsquartier erfolgte Geburt eines Kindleins! Sie sind für einen jeden von uns Grund zum Nachdenken.

Dieser Gottessohn, dieser Herr und Meister, nach dessen Geburt sich der Kalender der Welt richten wird, kommt in einer schrecklichen Situation und in einer ganz einfachen Familie zur Welt. Auch die Sterndeuter, wahrscheinlich große Gelehrte und Astronomen, stehen vor der Wahl, entweder einen politischen und tyrannischen König anzuerkennen, der in blinder Wut gegen einen künftigen König der Juden um seine Herrschaft bangt, oder dieses schwache Kindlein in der Krippe, den wahren König des Himmels und der Erde. Sie entscheiden sich für diesen Letzteren und gehen nicht auf die Aufforderung des Herodes ein, zu ihm zurückzukehren, um ihm über Jesus möglichst genau Auskunft zu geben.

Das sind untrügliche Zeichen dafür, daß es für uns alle notwendig ist, zwischen dem Guten und dem Bösen zu wählen, aber auch klein, bescheiden zu werden wie Christus und seine Eltern. Wie sie sollten wir uns von der Lehre der Bibel durchdringen lassen, damit wir uns leichter Gott nähern und ihm dienen können. In diesem Sinn müssen wir uns besonders vor dem Reiz des Geldes, des Ansehens und der Ehre hüten, der uns besonders dann zu verführen droht, wenn wir in Politik, Gesellschaft oder Beruf eine große Rolle spielen. In Anbetracht der Geburt Jesu in Armut und auch seinen späteren Worten entsprechend werden übrigens die christlichen Kirchen immer wieder zu dem aufrufen, was man heute die "vorrangige Option für die Armen" nennt, und uns anspornen, sie während des ganzen Lebens zu üben. Nehmen wir diese dringenden Aufforderungen ernst, heute, wo auf unserem Planeten Tag für Tag Millionen von Männern, Frauen und Kindern am Verhungern sind oder in einem entsetzlichen Elend dahinvegetieren? In jedem Ar-men begegnen wir Jesus, Maria und Josef in der Grotte von Bethlehem.

Weihnachten ist auch das offensichtliche Zeichen des immensen moralischen, geistigen und wirtschaftlichen Wertes, den die Familie darstellt. Gott wollte in diese Welt eintreten wie jeder Mensch, durch eine Mutter in einer geeinten und starken Familie. In unserer Zeit, wo die Familiengemeinschaft und die Ehe oft zurück- gewiesen und mit Füssen getreten werden, haben wir die Pflicht, sie kompromißlos zu verteidigen in Erinnerung an das unglaubliche Vorrecht, das Gott uns dadurch gewährt hat, daß er wie wir in Gestalt eines leibhaftigen Kindleins zur Welt kam, um uns so besser verstehen und lieben zu können. Mehr als je haben wir heilige Familien wie die von Nazareth nötig.

Wie Lukas in seinem Evangelium vom Kommen der Hirten zur Krippe erzählt und von ihrem Eifer, über das, was sie gesehen hatten, zu berichten, bemerkt er: "Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach". Das gleiche wird sie getan haben angesichts der Sterndeuter, die in ihren fernen Ländern alles verlassen hatten, um Jesus zu begegnen. Haben wir die Botschaften verstanden, welche seine Mutter in den Herzen und Lobpreisungen der armen oder reichen Besucher von Bethlehem zu lesen wußte: daß wir uns einerseits wie die Hirten bemühen sollen, Gott anzubeten, ihn zu lieben und seine Frohbotschaft zu verbreiten, und andererseits wie die Weisen aus dem Morgenland von allem, woran wir zu sehr hängen (Geld, Komfort, Vergnügungen usw.), zu lassen, um uns Christus anzuschließen und uns nach seinen Weisungen zu richten?

Die Geburt Jesu in der Grotte von Bethlehem hat uns offenbart, daß alle, die leiden, sich als unnütz vorkommen, in schwierigen, ja unmenschlichen Verhältnissen leben oder von unbekannter Geburt sind, in den Augen und im Herzen Gottes einen Vorzugsplatz haben. Sie hat auch gezeigt, daß alle, die über Macht und Ansehen verfügen oder sich großer materieller Güter erfreuen, bereit sein sollen, sich davon zu lösen, um zu ihm zu kommen und ihn anzubeten. Es gibt keinen Vorrang auf Grund der Geburt, des Vermögens oder eines anderen äußeren Umstandes.


Reiche und Arme
Oktober 2006


In Indonesien, in Afghanistan, in Indien sterben heute noch Tausende von Kindern, weil der Arzt zu spät kommt oder weil es in weitem Umkreis keinen gibt. Gleichzeitig können bald zwei Milliarden Männer, Frauen und Kinder in dieser Welt nur einmal im Tag ganz wenig essen: etwas Reis oder Hirse. Drei Viertel der Menschheit leben in Elend, während ein Viertel über 75% der Güter der Erde verfügt. Was ist zu tun? Welche Lösung gibt es, um einander näher zu kommen und eine bessere Welt zu schaffen, die zwar nie vollkommen sein wird, aber uns den Frieden und das Einvernehmen zwischen allen, den Reichen und den Armen, bringen könnte?

Ich denke, wir sind ebenso gut imstande, zur Rettung der Mittellosen beizutragen, wie sie zu unserer. Aber nur unter der Bedingung, dass wir sie nicht als Leute betrachten, für die wir - oft nur sehr knauserig - unseren Geldbeutel etwas erleichtern. Die einzige gerechte Haltung ist die, dass wir mit ihnen möglichst alles teilen: unser Herz, unsere Bequemlichkeiten, unsere materiellen Güter, ohne etwas dafür zu erwarten, ausser dass unser Egoismus abnimmt und wir viel Liebe schenken können. Aber es stimmt auch, dass die Notleidenden sich schliesslich selber helfen müssen, indem sie ihre Pflichten auf sich nehmen und Eigeninitiative entfalten.

Abgesehen von den materiellen Gütern, die viele von uns im Überfluss haben, und dem Komfort, den wir geniessen, fehlt es uns oft an Spiritualität und Demut. Von den Armen können wir lernen, unschätzbare Werte zu entdecken: Schlichtheit, Gastfreundschaft, Familiensinn. Wenn wir für sie ebensoviel wünschen, wie wir schon besitzen, und wenn wir ihre kostbaren Gaben annehmen, lassen sie uns vielleicht die Tür zum Glück erblicken, die sich nur durch aktive Liebe öffnet, ohne Beigeschmack von Almosen und eigennützigen Motiven.

Das Elend und die Schmerzen der Leidenden lassen sich nur durch unsere Barmherzigkeit und unsere Opfer für sie ausgleichen. In diesem Geist sollen wir zusammenleben, Privilegierte und Nichtprivilegierte, trotz allen Versagens und aller Schwierigkeiten. Wir brauchen nicht an das andere Ende der Welt zu gehen, um mit dem Handeln zu beginnen. Jeder Tag bringt auch seine Sorgen und Freuden mit sich und wir sollen da, wo wir leben, die Not unserer Mitmenschen beheben. Ergreifen wir also in jedem Augenblick jede Gelegenheit, die sich uns bietet, einem Freund, einem Nachbarn, einem Hausierer auf der Türschwelle, einem Invaliden im Autobus, einem jungen Verzweifelten, einem Asylanten näher zu kommen... Erst dann wird die Welt sich ändern und den Frieden wiederfinden.



Der (Un)Geist dieser Zeit
August 2006


Die Welt macht eine Krise durch, nicht nur auf der religiösen Ebene, sondern auch im Bereich der Ethik im allgemeinen. Nie gab es so viele um ihre Zukunft besorgte Menschen, selbst in den reichen Ländern, und nie so viele Anhänger von immer zahlreicheren Sekten.
Woher kommt das? Sicherlich schon von den Ideen der Aufklärung her, die im 18. Jahrhundert in Europa entstand und für die absolute Freiheit der Einzelperson eintrat. Sodann vom Marxismus und dem Existentialismus, die im Lauf des letzten Jahrhunderts großen Anklang fanden, zum Glück jedoch mit den Jahren an ihre Grenzen stießen. Beide vermochten aber durch ihre atheistische Einstellung, die immer noch nachwirkt, in überaus großen Bevölkerungskreisen den Gottesglauben und die religiösen Grundlagen zu untergraben.
In der neueren Zeit kommt die Gefahr aus Amerika her mit den Ideen und Praktiken des sogenannten New Age, die überall mehr und mehr eindringen, auf den Geist dieser Zeit einwirken und ihm ihren Stempel aufdrücken. Gemäß dieser Theorie ist alles eins, alles "Gott"; es gibt zwischen einem Stein, einem Menschen und einem Tier keinen Unterschied mehr. Man ist einfach Teil der kosmischen Energie, die man innerlich entwickeln kann, um sich selbst Heil zu verschaffen, aber auch um zu einer politischen und wirtschaftlichen Einheit der Welt zu gelangen. Um das zu erreichen, sind alle Mittel gut: Yoga, Meditation, Hypnose, Psychotherapie und selbst okkulte Praktiken - sogar die Weihe an Luzifer - sowie bis zu einem bestimmten Punkt die Droge. Damit kann man den Vorgang seiner Geburt nach- oder wiedererleben (rebirth), an die Pforten des Todes reisen und mit Dingen oder Wesen jenseits der sichtbaren Welt in Kontakt treten (channeling). Das ist natürlich sehr verlockend. Doch diese in schönen Worten und manchmal in sehr treffenden Grundsätzen vorgebrachten Theorien bringen den Menschen in eine neue Sklaverei, in die seiner Selbstsucht und seiner Triebe.
Gewisse Menschen machen sich diese Situation des Laxismus und Libertinismus zunutze, um den Kampf gegen Gott und schließlich gegen den Menschen zu intensivieren, und gehen so weit, dass sie das vorgeburtliche Leben zerstören und sogar im Namen sozialer Grundsätze zur Beendigung des Lebens anstiften. Um das Herz der Menschen zu gewinnen, gaukeln Ihnen andere Geld und Profit vor und machen sie abhängig. Gewisse Sekten ziehen die Orientierungslosen an sich, um sie geistig zu indoktrinieren und im Namen einer Moral, die oft von Gurus und falschen Propheten gepredigt wird, finanziell auszuplündern.
Nach und nach hat sich die autoritätsfeindliche Geisteshaltung durchgesetzt und es ist ihr in weitem Maße gelungen, die Rechtssatzungen und die Stützen des Rechts - Hierarchie, Dienstwillen, Pflichten - um ihre Geltung zu bringen und am Ende die Gesellschaft in die Anarchie zu führen. So begann in den Köpfen Verwirrung zu herrschen, erst recht durch das Aufkommen eines zügellosen Materialismus mit Hilfe einer raffinierten Technik und der Elektronik. Staat, Kirche, Gesellschaft und Familie werden schließlich nicht mehr respektiert, und man ist plötzlich über eine Missstimmung erstaunt, die zu Totalitarismus, Integralismus und Terrorismus führt, denn gespaltene Massen, die in Wirrwarr und Unordnung leben, lassen sich leicht unter die Herrschaft des Okkulten und der Droge, der Sexualität und des Geldes bringen, wobei das Ich die Gottheit ist.
Somit ist es begreiflich, dass gegenüber diesem Ungeist die meisten unserer Zeitgenossen auf der Suche nach einem sicheren Weg und nach einer Moral sind, die den Respekt vor den Mitmenschen sichern, aber doch rundum eine Freiheit verschaffen würde, die es auf dieser Erde jedoch nie geben wird.
Wie kann man aber den Managern, Gurus, falschen Propheten und Terroristen aller Art widerstehen, welche die Krise, in der wir leben, in Gang halten?
Ich denke, dass die Beachtung der wesentlichen Werte gesichert wäre, wenn man die Gebote der wahren Religion in die Tat umsetzen würde, die uns heissen Gott anzubeten und an sein Erbarmen und seine Vergebung zu appellieren, aber auch seine ganze Schöpfung zu respektieren. Es würde uns dazu bringen, unsern Nächsten wie uns selbst zu lieben und aufrichtig zu wünschen, dass er glücklich ist und sich eines zufriedenstellenden materiellen, leiblichen und seelischen Lebens erfreuen kann.
Es ist zum Glück nicht alles verloren. Wir dürfen und müssen einen optimistischen, hoffnungsvollen Geist bewahren und die guten Taten und Unterstützungen, die uns und den vielen Hilfsbedürftigen in der Welt Tag für Tag erwiesen werden, zu würdigen und zu schätzen wissen. Im eigenen Land und auf meinen Reisen bin ich vielen Menschen begegnet, die vom Evangelium oder auch weiteren religiösen Weisungen tief beseelt waren. Zusammen mit Gleichgesinnten stellen sie durch ihren Einsatz im Liebesdienst an ihren Brüdern und Schwestern für die verderblichen materialistischen und nihilistischen Bewegungen und Sekten, die so viele in ihren Bann ziehen, einen unüberwindlichen Damm dar. Ich lernte auch viele Männer und Frauen kennen, die nicht Christen waren, aber in den Aufgaben, die sie Tag für Tag für Notleidende unermüdlich erfüllten, Gott und seiner unendlichen Liebe ganz nahe standen, während andere sich an die Brust schlugen und "Herr, Herr!" sagten, dabei aber vergessen hatten, dass der Dienst an Mitmenschen, die in moralischem oder materiellem Elend sind, in ihrem ganzen Leben an erster Stelle stehen sollte.
Um der Propaganda der Sekten, den Lockrufen der Gurus und der falschen Propheten, sowie der Gewalt der Terroristen widerstehen zu können, müssen wir uns beständig von der Lehre Christi durchdringen lassen oder, wenn wir nicht Christen sind, uns an die sittlichen Weisungen der eigenen Religion oder an unser Gewissen halten. Nur wenn wir uns in dieser Richtung einsetzen, sind wir auf dem Weg echter Nächstenliebe, so dass wir bescheiden bleiben, uns hüten vor der Macht und dem Prestige, welche die Götter unserer Zeit sind, und zu einer nachhaltigen Entwicklung benachteiligter Völker beitragen können. Der Glaube und das Gebet (oder jedes andere Ideal im Dienst des Guten) werden für uns eine zuverlässige Quelle von Trost und Hoffnung sein und uns stärken, von unserem Lebens- und Arbeitsmilieu aus die Welt zum Bessern zu verändern. Für die, denen wir Liebe entgegenbringen, Hilfe spenden und die wir besuchen, wird unser Engagement eine Ermutigung sein, so dass sie auf Freiheit und Respektierung der Menschenrechte hoffen dürfen und nicht manipuliert oder gedrillt werden.



Meine feste Überzeugung - Worte und Taten
Juni 2006


Bald vergeht kein Tag mehr, ohne dass in unserer Zeitung die Rede eines "Großen" - eines Wissenschaftlers, eines angesehenen Politikers oder Kirchenmannes - veröffentlicht wird, nebst Rechenschaftsberichten über Konferenzen, politische, soziale oder andere Zusam-menkünfte. Dazu kommen noch Diskussionen, Interviews, Gesprächsrunden im Rundfunk und im Fernsehen. Fragen wir uns aber: Wie viele dieser Unmengen von Worten, welche die Massenmedien uns Tag für Tag bieten, entsprechen bei denen, die sie verlautbaren, auch Taten der Liebe und Güte? Wie viele befriedigen unser Bedürfnis nach Spiritualität und wahrer Kultur? Sinken wir im Westen nicht immer tiefer in Materialismus und Ausschweifung, im Dienst des Todes anstelle des Lebens, da wir die von unsern Vorfahren und dem Christentum ererbten Werte vergessen?
Zwar benötigen wir Reden, Zusprüche, Predigten. Wir brauchen auch Kontakte, Meinungsaustausch und Kulturwerke, doch sollen alle diese Elemente im Dienst des Menschen stehen, von Respekt, Gerechtigkeit, einer gesunden Moral getragen sein und nicht vor allem auf Lustbefriedigung und Stillung egoistischer Geldgier ausgehen. Sie sollen uns Glücksgefühl und echtes Wohlbefinden vermitteln, aber auch gebieterisch unser Herz wecken, unser Gewissen aufrütteln und uns anregen, so lange dazu noch Zeit ist, uns für Notleidende einzusetzen, zur Natur Sorge zu tragen und unserem Planeten physische und moralische Verschmutzung zu ersparen, statt durch Überkonsum die Ressourcen, über welche die Welt verfügt, zu verschwenden.
Dazu brauchen wir vor allem Männer und Frauen, die bereit sind, für diese Aufgaben zu kämpfen und die schönen Worte in Taten umzusetzen, statt dass sie, wie es heute oft vorkommt, dem Geld den Vorzug geben vor dem Dienst, dem Wohlbehagen vor der Selbst-hingabe, dem Wissensstolz vor der Menschlichkeit. Männer und Frauen, die vom Verlangen beseelt sind, sich tätig einzusetzen: einen kranken Nachbarn besuchen, einem behinderten Betagten behilflich sein, Drogensüchtigen und Fremden Verständnis entgegenbringen. Menschen, denen das Unglück von Hungernden, Aussätzigen und Verelendeten keine Ruhe lässt, ja die sogar bereit sind, das Leben mit ihnen zu teilen.
Sonst wird es für unser Weiterleben nur noch verhasste Diktaturen geben, Revolu-tionen von Armen, die ihre verlorene Stimme wiederfinden möchten, immer schlimmere Umweltverschmutzung und Verschwendung der Bodenschätze sowie schließlich zügellosen Materialismus, der auch noch den uns verbleibenden Rest von Spiritualität und Solidarität zerstören wird.