Für eine ganzheitliche und dauerhafte Entwicklung
März 2008


Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, angesichts des grossen Elends, in dem sich ein Teil unseres Planeten befand, wurden sich die Staaten bewusst, dass es nötig war, eine Weltorganisation zu gründen, um dieses zu besiegen, und so ist die UNO entstanden, mit den meisten ihrer angeschlossenen Sonderinstitutionen wie zum Beispiel FAO, WHO, UNESCO und ILO. In der Folge tauchten auch zahlreiche nichtstaatliche Organisationen auf, um den zur Unabhängigkeit gelangten oder in Entwicklung begriffenen Ländern technischen Beistand zu leisten.

Neben den von diesen internationalen Organisationen veröffentlichten Dokumenten schlugen auch Fachleute in ihren Büchern Alarm, so Arnold Toynbee, Tibor Mende, Gunnard Myrdal, Josué de Castro und Pater Lebret, um nur einige von ihnen zu nennen. Grosse religiöse Instanzen wie der Vatikan und der Ökumenische Rat der Kirchen schlossen sich ihnen an, indem sie Regierungen und Privatleute aufriefen, eine dringende ganzheitliche und dauerhafte Entwicklung durchzuführen, um eine Katastrophe zu verhüten, welche die ganze Menschheit treffen könnte.

Mehr und mehr wurde es allen klar, dass eine richtige Entwicklung nicht nur gegen die Not - wie Hunger und Krankheit - gerichtet werden soll und humanitäre Hilfe zu spenden hat, sondern auch gegen alle Ursachen kämpfen muss, die die schlechten Zustände verursacht haben: ungenügende oder schlampige Strukturen, Analphabetentum, Korruption, Stellen-, Wohnungs-, Trinkwasser-, Gesundheits-, Freizeit-, Erziehungs- und Lehrmangel sowie vernachlässigte Landwirtschaft und Industrialisierung, Landflucht in die Stadt, ungenügend bezahlte Produkte und schlussendlich jede Form von wirtschaftlicher, sozialer, politischer und sogar religiöser Ausbeutung und Unterdrückung. Sicher spielt der wirtschaftliche Aspekt eine grosse Rolle, aber jedes ganzheitliche und dauerhafte Entwicklungsprojekt soll auch einen ökologischen und ethischen Bestandteil enthalten und somit zuerst auf die Ärmsten gerichtet werden, ohne alle Menschen, die in anderen Verhältnissen leben, zu vernachlässigen.

Man hat auch gemerkt, dass der Fortschritt vor allem aus der Arbeit und den Fähigkeiten der geholfenen Völker selbst entspringt und sich steigert. Die entsandten Experten sollten nur das sein, um sie in unbekannten oder neuen Gebieten zu beraten. Es ist nicht nötig, dass man sofort und überall die technischen Mittel der reichsten Staaten einsetzt, und dass man alle armen Völker auf ihr Niveau zu heben tendiert. Lieber sollte man schauen, dass die benachteiligten Bevölkerungsgruppen ein den lokalen sozialen und kulturellen Verhältnissen angepasstes Leben erhalten, welches würdevoll und ohne Unterdrückung verläuft. Eine auf dieser Weise durchgeführte Entwicklung bildet den besten Weg zur Überwindung aller konfessionellen, politischen und anderen Gegensätze. Darin liegt noch dazu ein Faktum von nicht zu unterschätzender sozialpolitischer Bedeutung.

Eine der dringlichsten Aufgaben dieser Zeit, in der noch Millionen von Menschen sowohl in körperlicher Hinsicht (Krieg, Naturkatastrophen, Terrorismus, Hunger, Krankheiten) als auch in geistiger Beziehung (Sekten, Esoterik, Satanismus, Rassismus, usw.) leiden, besteht in der Unterstützung der Organisationen - seien sie staatlicher, privater oder religiöser Herkunft - oder, besser noch, bei denen als Mitglied beizutreten. Die Dokumente der Kirchen, welche die "Entwicklung des ganzen Menschen und aller Menschen" sowie die Option oder vorrangige Liebe zu den Armen vertreten, können uns dazu behilflich sein; sie sollten stark verbreitet werden und Gegenstand von Predigten und Auslegungen in den Kirchen sein, um noch mehr Christen und Menschen guten Willens anzuregen, an eine ganzheitliche und dauerhafte Entwicklung ihres Nächsten in der Not teilzunehmen, dies im Einklang mit dem Evangelium und den Geboten, die Christus uns gelehrt hat.

Als Privilegierte sollen wir bereit sein, Luxus und übertriebenen Komfort zu opfern zugunsten von mehr Solidarität und Mitmenschlichkeit und unser Überfluss sowie unsere erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen mit denen die sie dringend benötigen, zu teilen. Die Männer und Frauen der Dritten Welt ihrerseits sollen uns ihr Kulturgut und die Sitten ihrer Vorfahren, wie zum Beispiel Hochachtung vor dem Alter, Gastfreundschaft und Natürlichkeit, erkennen lassen. Und wenn wir alle gelernt haben werden, dass Geben seliger ist als Nehmen, aber auch das Empfangen eine Tugend sein kann, dann wird es gelingen, eine Welt mit gemeinsamem Respekt vor einander aufzubauen, in der wir Verständnis und Liebe begegnen anstatt Terror, Gewalt oder Missbrauch von Macht. Eine Welt, in der für jeden Menschen die Begriffe Wohnung, Nahrung, Gesundheit und Arbeit nicht bloss Traum, sondern tatsächliche Realität darstellen

Marcel Farine